|
10. Juli 2003, 18h 18
|
Verpasste Chance in Brüssel: Greenpeace, "Friends of the Earth", der Europäische Biobauernverband IFOAM und "Coordination Paysanne Europeenne" kritisieren in einer gemeinsamen Aussendung den heutigen "Runden Tisch" der EU-Kommission zu Fragen der Gentechnik. Es werden lediglich Forschungsergebnisse über die Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik präsentiert. Die Gentechnik-Industrie sitzt am Podium, während Organisationen, die sich um den Schutz der Natur und Biolandwirtschaft bemühen, fehlen.
"Die zentrale Frage der Haftung für Gentech-Verunreinigungen steht genauso wenig auf der Tagesordnung wie fragwürdige Vorschlag von Agrarkommissar Fischler zur Nicht-Lösung des Problems", begründet Thomas Fertl die Entscheidung der Umweltorganisationen, nicht am Runden Tisch Platz zu nehmen. "Während die EU-Kommission mit Volldampf Gentechnik forciert, drückt sie sich vor der Diskussion um die drohenden Folgen für Umwelt, Biobauern und Konsumenten. Die Frage, ob wir es der Gentech-Industrie
erlauben, Saatgut und Lebensmittel zu kontaminieren, ist eine gesellschaftspolitische und keine wissenschaftliche. Dieser heißen Diskussion muss sich die Kommission stellen, anstatt sich hinter Wissenschaftern zu verstecken", fordert Fertl.
Der großflächige Anbau von gentechnisch verunreinigten Organismen (GVO) in den USA und Kanada hat die Befürchtungen von Umweltschützern bestätigt: Durch Pollenflug entstandene "Superunkräuter" breiten sich aus, Gentechnik-freies Saatgut ist kaum mehr erhältlich. Angesichts möglicher Freisetzungen von GVO in Europa steigt auch diesseits des Atlantiks die Besorgnis darüber, dass nicht weniger auf dem Spiel steht als die Biolandwirtschaft und die Wahlfreiheit für den Konsumenten. Als erste offizielle Veranstaltung der EU-Kommission findet heute in Brüssel ein "Runder Tisch" zum Thema Koexistenz statt. "Objektive Forschung kann als Grundlage für die Koexistenz-Diskussion dienen, diese aber nicht ersetzen", ärgert sich Thomas Fertl über den Eiertanz der Kommission.
Ein Anfang März bekannt gewordenes Papier verrät die Vorstellungen von EU-Kommissar Fischler über das Zusammenleben von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik: Fischler will das Problem demnach als rein ökonomische Frage abtun und die Verantwortung für den Schaden durch Verunreinigungen jenen auferlegen, die keine Gentechnik einsetzen wollen. Eine EU-weite Regelung lehnt Fischler mit Verweis auf die "Subsidiarität" ab. "Während die Kommission mit der EU-weiten Zulassung von Gentech-Pflanzen das Problem selbst verursacht, schiebt sie die Verantwortung für die Lösung auf die Mitgliedstaaten ab und spricht diesen die dafür notwendigen Kompetenzen im selben Atemzug auch noch ab", fasst Fertl das fragwürdige Vorhaben Fischlers zusammen. Greenpeace fordert eine breite öffentliche Diskussion zu diesem Thema und eine Koexistenzregelung, die als zentralen, unabdingbaren Punkt ein "Reinheitsgebot" für Saatgut vorschreibt.
Mehr dazu im Internet:
>> www.greenpeace.at
|