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Europäisches Patentamt erteilt Patent auf Kekse, Teig und Weizen

10. Juli 2003, 18h 19

Kekse und Teig aus einer bestimmten Weizensorte und die Pflanzen selbst sind jetzt patentiert. Das haben Recherchen von Greenpeace ergeben. Das Patent der Firma Monsanto (EP 445929), das im Mai 2003 durch das Europäische Patentamt erteilt wurde, umfasst Weizen zur „Herstellung von knusprigen, mehlhaltigen, essbaren Produkten wie Biskuits oder ähnlichem“. Die sogenannte Erfindung der Firma Monsanto besteht darin, dass sie eine traditionelle indische Weizensorte mit anderen Pflanzen gekreuzt hat. Es handelt sich um normale Züchtung, nicht um genmanipulierte Pflanzen. Monsanto benutzt lediglich die Gene, die natürlicherweise in den Pflanzen vorhanden sind. „Dieses Patent veranschaulicht, dass die Biopatent-Vergabe völlig außer Kontrolle geraten ist“, so Thomas Fertl, Patent-Experte von Greenpeace Österreich und fordert: „Die Politik muss endlich gegen Biopatente vorgehen“.

„Dieser Fall zeigt, welche Dimensionen Patente auf Leben erreicht haben: Nicht nur gentechnisch veränderte, sondern auch ganz normale Pflanzen und Tiere werden patentiert, wenn in ihnen Gene von wirtschaftlichem Interesse entdeckt werden,“ warnt Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace Deutschland und Aufdecker dieses Skandalpatents. „Monsanto beklaut gezielt indische Landwirte, die über Jahrhunderte diesen speziellen Weizen gezüchtet haben. Dieses Patent zeigt, wie dringend ein gesetzliches generelles Verbot der Patentierung von Genen und Lebewesen und Saatgut ist.“

Monsanto könnte in Zukunft nicht nur Bauern, sondern auch Bäckereien, Konditoreien und Supermärkte verklagen, wenn sie Kekse oder Kuchen aus patentiertem Weizen herstellen oder verkaufen. Greenpeace bereitet einen Einspruch gegen das Patent vor. Das Europäische Patentamt in München erteilt Patente auf Gene und Lebewesen aufgrund einer EU-Richtlinie, die 1998 verabschiedet wurde und in der EU heftig umstritten ist. Die Ablehnung gegenüber der Richtlinie wurde im Mai auch in einer europaweiten Umfrage bestätigt, die im Auftrag von Geenpeace durchgeführt wurde: Nur drei Prozent aller 4559 befragten Internet-Benutzer aus 15 Ländern sprachen sich dafür aus, dass weiterhin Patente auf Gene und Lebewesen erteilt werden.

„Die ÖVP-FPÖ-Koalition scheint wild entschlossen, die missglückte Richtlinie nun doch umzusetzen“, kritisiert Thomas Fertl, Gentechnik-Experte von Greenpeace Österreich mit Verweis auf das Regierungsprogramm, wonach die Biopatent-Richtlinie nach Abhaltung einer parlamentarischen Enquete in nationales Recht umgesetzt werden soll. „Die Regierung würde die Warnungen der Bischofskonferenz, der Krebshilfe oder der Ärztekammer in den Wind schlagen und das Gentechnik-Volksbegehren missachten - um den wenigen Gewinnern des Patent-Irrsinns eine Monopolstellung am Markt zu verschaffen“, so Fertl weiter. „Greenpeace fordert daher eine Neuverhandlung der Biopatent-Richtlinie als einzig sinnvolle Lösung“, schließt Fertl.

Greenpeace

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