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17. August 2005, 17h 00
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Vor kurzem haben Berliner Wissenschafter vier bislang unbekannte synthetische RNA-Varianten in der gentechnisch veränderten Roundup Ready-Sojabohne des Herstellers Monsanto gefunden. Bis jetzt ist noch nicht klar, welche Funktion diese RNA-Moleküle haben und wie der Organismus darauf reagiert. Die Bedeutung von RNA-Molekülen ist ist lange Zeit unterschätzt worden, mittlerweile ist aber bekannt, dass sie eine ganze Reihe von Vorgängen im Organismus steuern und kontrollieren. Gentechnik-Experten wie Werner Müller von der Umweltschutzorganisation Global2000 zeigen sich deshalb besorgt.
Herbizidresistenz aufgrund Bakteriengen
Roundup Ready Soja ist aufgrund gentechnischer Manipulationen gegen das Herbizid Glyphosat resistent, das unter dem Markennamen Roundup von Monsanto erzeugt und vertrieben wird. Beim Einsatz von Roundup Ready Soja kann Glyphosat zur Unkrautvernichtung verwendet werden, ohne die Sojapflanzen selbst direkt zu schädigen.
Die Glyphosat-Resistenz wird durch ein gentechnisch eingebrachtes Bakteriengen (= CP4 EPSPS) vermittelt. Die 1996 auf Basis der damals gültigen „alten“ Freisetzungsrichtlinie (90/220/EG) erteilte EU-Zulassung bezieht sich auf dieses Gen-Insert inklusive der angrenzenden Kontrollsequenzen, einem „Promoter“ bzw. „Transporter“ vor und einem „Terminator“ nach dem Glyphosat-Toleranzgen.
Mangelhafte Sicherheitsbewertung
Die damalige Entscheidung der Kommission stellt dezidiert fest, dass nur eine einzelne Kopie des neu eingeführten Gens enhalten sein darf. In der Zwischenzeit wurden aber weitere Fragmente des DNA-Inserts– darunter ein hinter der Terminatorsequenz gelegenes Teilstück aus 250 Basenpaaren – und ein noch unidentifziertes DNA-Stück mit 534 Basenpaaren gefunden. Bei den bisher vorgelegten Unterlagen zur Sicherheitsbewertung wurden diese zusätzlichen DNA-Fragmente nicht berücksichtigt. Nichtsdestotrotz wurde im Juli 2004 Monsanto auf Basis der neuen EU-Gentechnik-Regelungen für bereits am Markt befindliche GV-Produkte die Zulassung erneut erteilt, obwohl das Unternehmen nicht in der Lage war, genaue und vollständige Informationen zur Charakterisierung der neu eingeführten Erbinformation von RR-Soja zu liefern.
Beunruhigung wegen neuer RNA-Varianten
Das Team um Andreas Rang vom Berliner Institut für Risikobewertung untersuchte, ob das 250 bp-DNA-Fragment eventuell funktionelle Bedeutung hat. Sie fanden, dass zumindestens 150 Basenpaare dieses DNA-Bereichs transkripiert werden können, wenn die Stop- oder Terminatorsequenz („nos Terminator“)“ am Ende des Glyphosphat-Toleranzgens beim Ablesen des DNA-Strangs übergangen wird. In weiterer Folge werden dann die nun entdeckten vier RNA-Varianten gebildet.
Beunruhigend an diesem Befund sind zwei Dinge:
- der „nos-Terminator“ wird bei einer Reihe von GVOs verwendet, das „Überlesen“ dieser Stopsequenz und die Transkription von RNA-Varianten könnte daher nach Einschätzung der Studienautoren ein häufig auftretendes Merkmal derartiger GVOs sein.
- Die Bedeutung von RNA-Molekülen ist ist lange Zeit unterschätzt worden, mittlerweile ist aber bekannt, dass sie eine ganze Reihe von Vorgängen im Organismus steuern und kontrollieren. Gentechnik-Experte Werner Müller von der Umweltschutzorganisation Global2000 kritisiert, dass die nun entdeckten RNA-Varianten zehn Jahre unbemerkt und ungetestet an Tier und Mensch verfüttert wurden, obwohl niemand weiß, ob diese Moleküle den Verdauungstrakt überstehen können und welche Wirkung sie haben können. Er rät daher von der Verwendung von Gentech-Soja und daraus hergestellter Produkten ab. (pte, ne)
Info:
>> Greenpeace-Briefing zu RR-Soja (pdf-Datei, 126 kB)
>> Schematische Darstellung der neu eingeführten DNA-Stücke in RR-Soja (Quelle: Greenpeace Schweiz, pdf-Datei, 290 kB))
>> www.eco-risk.at (Homepage von Werner Müller mit Informationen zur GVO-Sicherheitsbewertung)
>> Abstract des Artikels von Andreas Rang et al (2005)
>> EU-Register für GM-Food and Feed
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