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Gentech-Raps kann zu Unkraut werden.

1. April 2003, 14h 55

Raps, der aufgrund gentechnischer Manipulationen gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent ist, soll den Einsatz von Spritzmitteln gegen unerwünschte Pflanzen beim Rapsanbau verringern helfen. Häufig wird eine gentechnisch veränderte Raps-Variante verwendet, die tolerant ist gegenüber dem Herbizid Glufosinat. Daneben gibt es allerdings auch eine Reihe anderer Varianten mit unterschiedlichen Herbizid-Toleranzen. Diese gentechnisch veränderten Sorten können sich gegenseitig bestäuben und keimungsfähige Samen bilden. Wenn nun bei der Ernte derartige Samen auf den Boden fallen, so wachsen im Folgejahr Raps-Pflanzen mit den Toleranzgenen mehrerer Varianten. Dieses sogenannte "gene stacking" führt in der Folge zu Toleranzen gegenüber vielen modernen Herbiziden. In Folgekulturen kann derartiger Raps dann nur mehr mit alten, wesentlich umweltschädlicheren Herbiziden unter Kontrolle gebracht werden.


Eine von der staatlichen britischen Naturschutzorganisation "English Nature" in Auftrag gegebene und im Jänner 2002 publizierte Studie zeigte, dass sich genau aufgrund dieser Tatsache gentechnisch veränderter Raps in Kanada zu einem "Superunkraut" zu entwickeln droht. Dort wurde bereits Raps mit drei Herbizid-Resistenzgenen gefunden, welcher immun gegen einige der am häufigsten in der Landwirtschaft eingesetzten Herbizide ist. Für Europa wird nun Ähnliches befürchtet.

In Kanada wurde empfohlen, verschiedene Raps-Varianten nur mit einem Mindestabstand von 175 Metern zu pflanzen. Die Vorsichtsmaßnahme, unterschiedliche Varianten nicht zu nahe nebeneinander zu pflanzen, hat allerdings nicht funktioniert. Raps wird hauptsächlich von Bienen und vom Wind bestäubt, und Raps-Pollen können von beiden über mehrere Kilometer weit getragen werden. Will man das Risiko von unerwünschten Kreuzungen so klein wie möglich halten, dann müsste der Abstand zwischen den Feldern mit verschiedenen Varianten mindestens fünf Kilometer betragen. Laut Brian Jones von „English Nature“ bleibt daher neben dem totalen Verzicht auf gentechnisch veränderten Raps als einzige Möglichkeit, nur eine einzige gentechnisch veränderte Raps-Variante anzubauen. Diese Empfehlung gilt nicht nur für Großbritannien, sondern für die gesamte Europäische Union.

In diesem Zusammenhang kritisierte Johnson auch den Vorschlag der Europäischen Kommission, zukünftig bei gentechnisch verändertem Saatgut eine Verunreinigung von bis zu 0,7% zuzulassen. So könnte schon das Saatgut für ein einziges Feld aus Mischungen von verschiedenen gentechnisch veränderten Raps-Varianten bestehen. Damit würde die Entstehung von "Superunkräutern" mit Mehrfach-Toleranzen gegenüber Herbiziden noch zusätzlich gefördert.

INFO: Jim Orson et al. (2002): "Gene stacking in herbicide tolerant oilseed rape: lessons from the North American experience." English Nature Research Report No. 443.

erhältlich als pdf-File auf der Website von English Nature.

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