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4. Oktober 2002, 09h 52
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Jede Veränderung in der chemischen Zusammensetzung einer Pflanze, z.B. durch die Produktion eines neuen Stoffes, kann Auswirkungen auf das Fraßverhalten von an der Pflanze fressenden Insekten haben. Veränderungen im Fraßverhalten von pflanzenfressenden Insekten können wiederum Auswirkungen sowohl auf die Populationsstruktur des betreffenden Insekts als auch auf die Populationsstruktur seiner Fraßfeinde haben. Auf diese Weise kann auch der Einsatz von Nutzpflanzen, die aufgrund gentechnischer Veränderungen neue Inhaltsstoffe enthalten, zu ungewollten Umweltauswirkungen führen.
In einem über mehrere Jahre andauernden Forschungsprojekt, das von Dr. Angelika Hilbeck in der Schweiz geleitet wurde, sind die nicht-gewollten Umweltauswirkungen von Bt-Mais untersucht worden. Bei Bt-Mais-Sorten handelt es sich um verschiedene gentechnisch veränderte Maissorten, in die ein Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis übertragen worden ist. Dieses Gen ist für die Synthese eines für Insekten giftigen Proteins verantwortlich. Das Bt-Protein soll vor Schädlingen wie dem Maiszünsler (European Corn borer) schützen, der sich durch den Stängel von Maispflanzen frisst. Das Bt-Toxin kann jedoch auch andere Insekten schädigen.
Unter nicht-gewollten Umweltauswirkungen hat man im Rahmen des Forschungsprojektes all jene unbeabsichtigten Nebenwirkungen der transgenen Maispflanzen zusammengefasst, die sich nicht auf Maisschädlinge ausgewirkt haben, sondern auf andere Organismen. Hierzu gehören u.a. streuabbauende Organismen und Bestäuber sowie natürliche Fraßfeinde des Schädlings.
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden eine Reihe verschiedener Fraßexperimente mit Chrysoperla carnea, der Grünen Florfliege, durchgeführt. Die Grüne Florfliege ist ein natürlicher Feind des Maiszünslers. Zum einen handelte es sich um Experimente, bei denen die Florfliegen zwischen verschiedenen Futterquellen wählen konnten, zum anderen um Experimente ohne Wahlmöglichkeit.
Im Zuge der Experimente, in denen keine verschiedenen Futterquellen zur Verfügung standen, wurden die direkten Auswirkungen des Bt-Giftes auf die Florfliegen-Larven untersucht. Den Larven wurden in verschiedenen Serien von Experimenten Bt-Gift enthaltende Beute vorgesetzt. Die Beute hatte das Bt-Gift wiederum in Form von verschiedenen Futterquellen vorgesetzt bekommen, u.a. direkt in Form von Bt-Mais. Bei all diesen Versuchsreihen, bei denen keine Futterwahlfreiheit bestand, wiesen die Larven eine höhere Sterblichkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe auf. Die Sterblichkeit war am höchsten (59-65 %), wenn die Larven eine Beute vorgesetzt bekommen haben, die direkt Bt-Mais gefressen hatte. Dieses Ergebnis ist erstaunlich, da die Konzentration des Bt-Giftes in den transgenen Maispflanzen geringer war als in den anderen beiden Futterquellen der Beute.
Bei den Experimenten, bei denen die Larven eine Auswahl bezüglich der Beute treffen konnten, zeigte sich, dass ältere Florfliegen-Larven die Beute bevorzugten, die mit nicht-transgenem Mais gefüttert worden war. Dieses Ergebnis war signifikant. Insgesamt stellte sich heraus, dass die Larven Beute vermieden, die das Bt-Gift enthielt. Da die äußeren Bereiche der Maishalme, in denen die Wasserleitung erfolgt, also im so genannten Phloem, kein Bt-Gift enthalten ist, könnten die Florfliegen-Larven in Bt-Maisfeldern den Maiszünsler als Beute meiden und auf Phloem-fressende Insekten als Beute umstellen. Diese Umstellung könnte jedoch zur Folge haben, dass sich der Fraßdruck auf harmlose Insekten erhöht. Gleichzeitig verlieren Insekten wie Florfliegen jedoch ihre Funktion als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel, da der Bt-Gift enthaltende Maisschädling nicht gefressen wird.
Info:
Hilbeck, A. – 2001: Implications of transgenic, insecticidal plants for insect and plantbiodiversity. Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics, 4(1), pp. 43-61.
Quelle:
>> Gentechnik-Nachrichten Nr. 32 des ÖKO-Instituts e.V
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