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8. Juli 2002, 18h 23
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Die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen in Wildpopulationen könnte viel größere Risiken mit sich bringen als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis von Computersimulationen, welche Wissenschaftler der Purdue University in West Lafayette, Indiana, durchgeführt haben.
Die Forscher verwendeten Fische für ihre Hochrechnungen und fanden heraus, dass regional innerhalb weniger Generationen ganze Arten aussterben können, wenn gentechnisch veränderte Fische durch Freisetzung oder Entkommen zu ihren wilden Verwandten gelangen und sich mit ihnen fortpflanzen.
Gentechnisch veränderte Fische könnten die ersten transgenen Tiere sein, die auf unseren Tellern landen. Firmen in den USA und Kanada haben „Gen-Lachse“ bereits zur Marktreife gebracht, es fehlt nur mehr die Zulassung der Behörden. Das Europäische Patentamt in München hat im September 2001 erstmals ein Patent auf gentechnisch hergestellte Fische erteilt: Patentnummer EP 0578653B1 gibt der kanadischen Firma Seabright Patentschutz für eine Lachs- und drei andere Fischarten. Der Gen-Lachs wurde mit Zusatzgenen zur Überproduktion von Wachstumshormonen ausgestattet, er wächst daher vier- bis sechsmal schneller als seine natürlichen Artgenossen.
Die Forscher der Universität Purdue haben schon im Jahr 2000 vor den Risiken bei einer möglichen Freisetzung derartig gentechnisch manipulierter Fische gewarnt. Fische mit eingebauten Wachstumsgenen werden aufgrund ihrer Größe bei der Partnerwahl bevorzugt, aber wenige von ihnen überleben bis zur Geschlechtsreife. Wegen des höheren Fortpflanzungserfolgs können sie trotzdem die für die geringere Lebenserwartung verantwortlichen Gene in die Wildpopulation tragen. In den Simulationen der Wissenschafter brachten 60 Genfische eine Wildpopulation von 60.000 innerhalb von 40 Generationen zum Aussterben. Dieses Szenario nannten die Forscher die „Hypothese der Trojanischen Gene“.
In der Zwischenzeit ergaben zusätzliche Untersuchungen weitere Szenarien, die zum Aussterben führen können. Die Wissenschafter simulierten unter anderem den Effekt einer gentechnischen Veränderung, die neben der Beschleunigung des Wachstums auch die Fruchtbarkeit der Männchen reduziert. Das überraschende Ergebnis der Hochrechnung: die Wildpopulation starb bereits innerhalb von 20 Generationen aus.
Dieses Resultat stellt eine geplante Sicherheitsmaßnahme zur Kontrolle der „Trojanischen Gene“ in Frage. Dabei soll transgenen Fischen zusätzlich ein Gen eingebaut werden, das ihre Fruchtbarkeit reduziert, damit sie ihre Gene gar nicht erst in der Wildpopulation verbreiten. Die Maßnahme könnte allerdings auch den umgekehrten Effekt haben und zu einem noch rascheren Ende führen.
Info:
>> Purdue News
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