|
15. Januar 2006, 03h 23
|
Im Jahr 2005 wurden nach Angaben des „International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications“ (ISAAA) weltweit auf rund 90 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen für kommerzielle Zwecke angebaut, um knapp 11% mehr als im Jahr 2004.
USA führend
Das der Biotech-Industrie nahestehende ISAAA veröffentlicht alljährlich Mitte Jänner einen Bericht über den globalen Status gentechnisch veränderter Nutzpflanzen. Laut kürzlich erschienenem ISAAA-Report für 2005 liegen 55% (49,8 Mio. ha) der weltweiten GV-Anbaufläche in den Vereinigten Staaten. Damit ist die USA weltweit führend, gefolgt von Argentinien (17,1 Mio. ha), Brasilien (9,4 Mio. ha), Kanada (5,8 Mio. ha) und China (3,3 Mio. ha).
Neu in Portugal, Frankreich und Tschechien
Insgesamt wurden im Jahr 2005 in 21 Ländern GV-Nutzpflanzen kommerziell angebaut, gegenüber 17 im Jahr 2004. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass unter den vier neu dazugekommenen Ländern drei EU-Staaten sind, nämlich Portugal, Frankreich und die Tschechische Republik. Zwar handelte es sich jeweils nur um wenige hundert Hektar, es wird aber befürchtet, dass dies nur der Beginn eines großflächigeren GVO-Anbaus in der Europäischen Union sein könnte. Die größten europäischen GV-Anbauflächen befinden sich in Rumänien und in Spanien. In Rumänien wurde im Jahr 2005 nach offiziellen Angaben auf knapp 70.00 Hektar GV-Soja angebaut wird, laut Greenpeace ist der GV-Sojaanteil jedoch weitaus höher und soll etwa 100.000 Hektar betragen. In Spanien wurden 2005 rund 50.00 Hektar Genmais angepflanzt. In Deutschland läuft seit 2004 auf einer Fläche von 300 bis 400 Hektar ein Praxis- und Erprobungsanbau.
Am meisten wird GV-Soja angebaut
Soja ist die weltweit dominierende GV-Pflanze: Auf rund 54,4 Mio. Hektar wird Gentech-Soja angebaut, das entspricht einem Anteil von 60% an der weltweiten GV-Anbaufläche. Dahinter folgen Mais (21,2 Mio. ha/24%), Baumwolle (9,8 Mio./11%) und Zuckerrohr (4,6 Mio./5%).
Zahlen „aufgeblasen“?
Das ISAAA feiert diese Zahlen regelmäßig als großen Erfolg der Gentech-Pflanzen, Gentech-Gegner sehen sie kritischer. So weist die Umweltschutzorganisation Friends of the Earth in einer neuen Studie auf Unregelmäßigkeiten bei den ISAAA-Daten hin. Demnach seien die Zahlen gegenüber anderen Statistiken - wie etwa des US-Departments for Agriculture - tendenziell überhöht.
Großteils Herbizidresistenz
Außerdem bemängeln die Kritiker, dass sich die gentechnisch vermittelten Merkmale bei den kommerziell angebauten Nutzpflanzen großteils auf Herbizidresistenz und Bt-vermittelte Insektenresistenz beschränken. Dies bestätigen selbst die Daten des ISAAA: Auf 71% der GV-Anbaufläche wurden laut ISAAA im Jahr 2005 herbizidresistente Soja-, Mais-, Zuckerrohr- und Baumwollsorten ausgebracht, auf rund 18% insektenresistente Bt-Pflanzen und auf 11% Pflanzen mit einer Kombination der beiden Merkmale.
Die gentechnisch erzeugte Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Herbizide soll nach Vorstellung der Hersteller den Herbizideinsatz massiv verringern und damit sowohl für die Landwirte als auch für die Umwelt einen spürbaren Nutzen bringen. Die Bilanz fällt aber wesentlich mehrdeutiger aus, als sie in diversen Veröffentlichungen der GV- und Herbizidproduzenten dargestellt wird. Wie verschiedene Vergleichsstudien zeigen, ist diese Annahme in dieser generellen Form nicht haltbar, sondern stark vom Einzelfall abhängig. Vereinzelt wurde sogar eine Zunahme des Herbizideinsatzes beobachtet. Und von Eigenschaften wie Trockenheits- oder Salzresistenz, die gerne als Beitrag zur Lösung des globalen Hungerproblems propagiert werden, fehlt im kommerziellen Anbau nach wie vor jede Spur. (ne)
Downloads
>> ISAAA Briefs No 34, Zusammenfassung (pdf-Datei, 926 KB)
>> Friends of the Earth: Who benefits from GM-Crops? (pdf-Datei, 824 KB)
|