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Greenpeace-Bericht zeigt Koexistenzprobleme in Spanien

11. Juli 2006, 17h 12

Unmittelbar vor der EU-Konferenz "Freedom of Choice" präsentierte Greenpeace am 4. April in Wien den aktuellen Gentechnik-Report „Impossible Coexistence“. Darin werden die katastrophalen Erfahrungen spanischer Bauern geschildert, deren Ernte durch gentechnisch veränderten Mais nachhaltig verunreinigt worden ist. Für Geert Ritsema, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace International, zeigt dieser Bericht deutlich, dass der Anbau und die Weiterverarbeitung von gentechnisch veränderten Pflanzen gravierende Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft habe. Dies solle der EU-Kommission eine Warnung sein.

Spanien ist das einzige EU-Land, in dem großflächig Gentechnik-Mais angebaut wird. Im Jahr 1998 wurde der erste gentechnisch veränderte Mais zugelassen und auf einer Fläche von knapp 22.000 Hektar angebaut. Mittlerweile wird GV-Mais in Spanien auf rund 60.000 Hektar angepflanzt. In einigen Regionen Spaniens, wie etwa Aragon oder Katalonien, beträgt der Anteil von gentechnisch verändertem Mais an der gesamten Mais-Anbaufläche schon 40 bis 60 %.

Greenpeace Spanien untersuchte deshalb die Auswirkungen des GVO-Anbaus auf die gentechnikfrei arbeitenden Maisbauern. Von Juli bis Dezember 2005 wurden die Felder von 40 biologisch oder konventionell wirtschaftenden spanischen Landwirten getestet. Dabei wurde in fast einem Viertel der untersuchten Fälle ungewollte Verunreinigungen gefunden. Die Laboranalysen ergaben Kontaminationen mit beiden gentechnisch veränderten Maislinien, die in Spanien und der EU zugelassen sind: MON 810 und Bt 176. Auch lokale Maissorten waren betroffen. Der Prozentsatz der Kontamination bewegte sich zwischen 0,07 und 12,6 Prozent.

Antonio Ruiz-Ortego, Präsident des Biobauernverbandes von Argon (Spanien), betonte bei der Präsentation des Berichts, dass die Verunreinigungen mittlerweile die Existenz der Bauern bedrohen würden. Er befürchte deshalb, dass der Biomais-Anbau in Spanien ganz zum Erliegen kommen könnte. Für ihn ist das ein Beweis, dass die EU-Leitlinien für den Anbau ungenügend umgesetzt worden seien. Das System der Trennung, Kontrolle und Überwachung funktioniere nicht, trotz gegenteiliger Beteuerungen unterschiedlicher spanischer Regierungen, so Ruiz-Ortego.

Geert Ritsema warnte am Beispiel Spaniens vor den Auswirkungen auf die Wahlfreiheit der KonsumentInnen. Schon jetzt sei in Spanien kaum mehr GVO-freier Mais erhältlich, obwohl die Anbaufläche nur zwölf Prozent ausmache. Greenpeace forderte außerdem ein öffentliche Verzeichnis der GVO-Aussaatflächen, wie es ja eigentlich schon die EU-Freisetzungsrichtlinie vorschreiben würde. Außerdem sollen die GVO-Anbauer als Verursacher der Verunreinigungen für die daraus entstehenden Schäden aufkommen. Zudem solle den derzeit 172 gentechnikfreien Regionen Europas die Möglichkeit gegeben werden, ihren freiwilligen Gentechnikverzicht auf eine rechtliche Basis zu stellen. (ne)

Download:
>> Greenpeace-Report Impossible Coexistence (in Englisch, pdf-Datei, 923 KB)

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