|
24. November 2004, 20h 52
|
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL2000 warnt, dass eventuell bereits Ende dieses Monats ein EU-Gremium darüber entscheidet, ob fünf EU-Länder – darunter auch Österreich- ihre Gentechnik-Importverbote aufheben müssen. Im sogenannten „Komitee für die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen in die Umwelt“ wird über die Aufhebung der GVO- Einfuhrverbote in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Griechenland und Österreich beraten.
Im Falle Österreichs geht es um die in den Jahren 1997, 1999 und 2000 verhängten Importverbote für die gentechnisch veränderten Maissorten Bt176, MON 810 und T25. Österreich hatte sich beim Verbot dieser drei Maissorten auf eine Schutzklausel in der EU-Freisetzungsrichtlinie berufen, die von den österreichischen Behörden angeführten wissenschaftlichen Begründungen wurden jedoch von der EU-Kommission bzw. von der Europäischen Lebensmittelbehörde nicht akzeptiert.
Mit dem Ende des Verbots von MON 810 wäre theoretisch auch der Anbau von GVO in Österreich möglich. Die Sorte wurde vor kurzem in den EU-Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten aufgenommen und wird in Spanien bereits angebaut. In Brüssel wird allerdings nicht erwartet, dass die Angelegenheit bereits Ende November entschieden wird. Die erforderliche Mehrheit unter den im zuständigen Komitee vertretenen nationalen Experten wird wahrscheinlich nicht zustande kommen, so dass die Sache erneut im EU-Agrarministerrat behandelt werden müsste. Wird auch hier keine Entscheidung getroffen, dann kann die Kommission die Verbote selbsttätig aufheben.
Umweltorganisationen warnen allerdings vor einem Ende des Verbots. So kritisiert etwa GLOBAL 2000 die Risikobewertung der drei in den EU bereits zugelassenen Gentech-Produkte als nicht mehr zeitgemäß und nicht dem heutigen Stand der Wissenschaft entsprechend. Eine Neubewertung sei daher unumgänglich, die Importverbote müssten so lange aufrecht bleiben.
Friends of the Earth, die internationale Dachorganisation von GLOBAL 2000, startete deshalb eine europaweite Kampagne gegen die Aufhebung der Einfuhrbeschränkungen. Im Rahmen der Kampagne fordert GLOBAL 2000 Umweltminister Josef Pröll auf, sich für die Beibehaltung der Verbote einzusetzen. Auf der Homepage der Umweltschutzorganisation können Unterstützungsmails an Pröll abgeschickt werden. (ne)
Link:
>> GLOBAL 2000
Info:
>> EFSA: Österreichische Gentechnik-Verbote nicht gerechtfertigt
>> Sortenzulassung für Gentech-Mais MON 810
|