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12. Mai 2004, 21h 55
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In der kleinstrukturierten Landwirtschaft Österreichs ist ein Nebeneinander von Gentech- Pflanzen und gentechnikfreien Anbaumethoden nicht möglich. Das ist die Kernaussage einer Studie, die am 6. Mai 2002 von der oberösterreichischen Gesundheitslandesrätin Ursula Haubner und Gesundheits-Staatssekretär Dr. Reinhart Waneck in Linz vorgestellt wurde.
In Österreich wie auch in einigen anderen EU-Ländern ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verboten. Diese Gentechnik-Freiheit ist allerdings gefährdet: schon ab Herbst kann das EU-Moratorium für die Zulassung neuer Genpflanzen aufgehoben und damit auf einen Schlag eine Reihe von Gentech-Sorten in Österreich legal angebaut werden. Es stellt sich jedoch die dringende Frage, ob der Anbau von Genpflanzen neben der biologischen Landwirtschaft und der gentechnikfreien konventionellen Landwirtschaft überhaupt machbar wäre. So belegt zum Beispiel eine aktuelle Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA), dass Wind und Bienen den Pollen von Feldern mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen auch über weite Strecken auf andere Felder übertragen können.
Das Umweltressort des Landes Oberösterreich und das Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen gaben deshalb eine Studie in Auftrag, um die mögliche Umsetzung von gentechnikfreien Anbauzonen in Oberösterreich zu überprüfen. Die Projektstudie wurde an Dipl.-Ing. Werner Müller – ein Mitglied des oö. Expertenrates für Gentechnik - vergeben, der auf dem Gebiet der ökologischen Risikoforschung ein bereits anerkannter Fachmann ist.
Untersucht wurden 3 Szenarien: der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ohne spezifische Regelungen zum Schutz des GVO-freien Anbaus, die Schaffung kleiner bis mittelgroßer GVO-freier Zonen und die Ausweisung Österreichs als gesamte GVO-freie Fläche.
Szenario 1:
Anbau von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen ohne spezifische Regelungen
Ohne spezifische Regelungen wird es kurzfristig zu starken wirtschaftlichen Einbußen des biologischen Landbaus bzw. der konventionellen gentechnikfreien Landwirtschaft kommen. Mittelfristig kommt die Produktion des biologischen Landbaus bzw. die konventionelle GVO-freie Produktion völlig zum Erliegen. Die kleinbäuerliche Struktur der österreichischen Landwirtschaft wäre deutlich bedroht. Eine Rückkehr zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft durch Sanierung der gentechnisch verschmutzten Produktionsflächen wäre aufgrund der Haltbarkeit bestimmter Samen äußerst schwierig und nur nach mehrjährigen Übergangszeiträumen möglich.
Szenario 2:
Schaffung kleiner bis mittlerer gentechnikfreier Zonen
Zum Schutz sowohl einer biologisch geführten als auch konventionellen gentechnikfreien Landwirtschaft werden sog. "GVO-freie Zonen" (frei von Gentechnisch Veränderten Organismen) geschaffen, in denen der Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen untersagt ist. Zur Sicherung der gentechnikfreien Bewirtschaftung müssen rund um solche Zonen mehr oder weniger große Schutz- bzw. Pufferzonen eingerichtet werden, um die Verbreitung und Übertragung von fremdgenhältigem Material durch Pollen, Insekten oder Wind zu unterbinden.
Zur Umsetzung gentechnikfreier Zonen wurde im Rahmen dieser Studie für Oberösterreich eine Erhebung auf Gemeindeebene durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, wieviel Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche je Gemeinde für einen GVO-Anbau zur Verfügung stehen, wenn man beispielsweise um bereits bestehende Bio-Betriebe entsprechende Schutzgebiete legen würde. Das Ergebnis der Erhebung: Geht man von einem Schutzradius von 4 Kilometer aus, so ist in Oberösterreich ein konfliktfreier GVO-Anbau kaum möglich.
Die zentralen Probleme bei dieser Variante liegen in der Festlegung und Ausweisung von solchen Zonen, in der notwendigen Überwachung und den damit verbundenen Kosten und der Frage von Haftungen und Entschädigungszahlungen im Falle von Kontaminationen.
Szenario 3:
Ganz Oberösterreich als GVO-freie Zone
Diese Variante fordert neben einer auf gentechnikfreier Qualitätsproduktion ausgerichteten Landwirtschaft (z.B. mit GVO-freier Saatgutproduktion) die Etablierung eines konventionellen GVO-freien Marktes. Der Anbau von GVO-hältigen Kulturpflanzen müsste neben Oberösterreich auch in allen anderen Bundesländern gesetzlich untersagt werden.
Meinungsumfragen zeigen, dass sich eine breite Mehrheit der Konsumenten eine österreichweite GVO-freie Zone vorstellen kann und auch viele Landwirte der Errichtung von GVO-freien Zonen zustimmen würden.
Die Umweltschutzorganisationen Global2000 und Greenpeace sehen sich durch die Studie in ihren Warnungen vor Gentech-Nutzpflanzen bekräftigt und fordern die zuständigen Politiker zum Handeln auf. Die Landwirtschaftsexpertin Iris Strutzmann von Global2000 appellierte an Bundesminister Herbert Haupt, ganz Österreich als gentechnikfreie Zone auszuweisen und bis zum nächsten Nationalratsplenum am 22. Mai einen entsprechenden Gesetzesentwurf zu präsentieren. Der Greenpeace-Gentechnik-Experte Thomas Fertl forderte die oberösterreichische Landesregierung auf, dem Landtag möglichst rasch einen Umsetzungsvorschlag für die gentechnikfreie Zone Oberösterreich vorzulegen.
Download:
>> GVO freie Bewirtschaftungsgebiete: Konzeption und Analyse von Szenarien und Umsetzungsschritten (Müller, 2002)
pdf-Format, 1,4 MB
Info:
>> EU-Studie zur Gen-Übertragung mittels Pollen
>> Region ALPE ADRIA soll gentechnikfreie Zone werden
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