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Medikamente aus Hühnereiern

30. April 2002, 11h 27

Gentechnisch manipulierte Hühner könnten in Zukunft als "lebendige Bioreaktoren" zur Produktion von Medikamenten verwendet werden. Forscher der Firma AviGenics Inc. und der Universität von Georgia haben Hühner derart gentechnisch modifiziert, dass sie in ihren Eiern menschliche Proteine produzieren. Darüber berichten sie in der April-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature Biotechnology“.

Die Wissenschafter hatten ein entschärftes Retro-Virus verwendet, um Hühner gentechnisch so zu verändern, dass sie das Enzym „Beta-Lactamase“ in ihren Eiern erzeugten. Dieses Enzym ist medizinisch zwar nicht von Bedeutung, lässt sich aber leicht nachweisen und dient damit als "Marker-Enzym“ für die erfolgreiche gentechnische Manipulation. Funktionsfähige Kopien der betreffenden Gene konnten auch über mehrere Generationen in den Nachkommen der Hühner nachgewiesen werden. Es könnte also in Zukunft möglich sein, Proteine für Medikamente aus Hühnereiern zu gewinnen.

Nach Ansicht der Forscher haben Hühner eine Reihe von Vorteilen gegenüber transgenen Säugetieren, welche in ihrer Milch Proteine für Medikamente produzieren sollen. Hühner wachsen wesentlich schneller als und legen viel früher Eier, als etwa die Milchproduktion von Ziegen oder Schafen beginnt. Ausserdem hat die Pharma-Industrie bereits Erfahrung mit Hühnereiern. Hühnereier werden schon länger zur Produktion von Impfstoffen verwendet, welche sehr rein sein und von hoher Qualität sein müssen.

Die Ergebnisse der Wissenschafter von AviGenics stellen allerdings nur einen Zwischenschritt auf dem Weg zum „genepharming“ dar, der Produktion von Medikamenten durch transgene Tiere. Dieser Ansatz hat jedoch in jüngster Zeit einen Rückschlag erlitten. Der Branchenführer PPL Therapeutics, der aus Schafmilch Medikamente gewinnen will, musste seinen ersten klinischen Test abbrechen.

PPL begann in den 90-er Jahren mit transgenen Schafen und Ziegen zu arbeiten. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über mehrere Schafherden für verschiedene Medikamente, darunter eines, das im Jahr 2005 als weltweit Erstes auf den Markt hätte kommen sollen: Alpha-1-antitrypsin (AAT), ein Mittel gegen verschiedene Lungenleiden. Im klinischen Test allerdings begannen manche Patienten zu keuchen und pfeifend zu atmen, man musste den Versuch unterbrechen. Unklar ist, ob die Nebenwirkung an falscher Dosierung oder mangelnder Reinheit der Proteine liegt.

Auch die Forscher von AviGenics sind noch mit einer Reihe von Problemen konfrontiert: sie versuchten ihre Methode an 546 Eiern, aus denen 126 Küken schlüpften. Von diesen trugen allerdings nur 10 Prozent die gewünschten Gene.


Info:
Harvey, A.J., Speksnijder, G., Baugh, L.R., Morris, J.A. und R. Ivarie (2002): Expression of exogenous protein in the egg white of transgenic chickens. Nature Biotechnology 20: 396 – 399.
Abstrakt der Studie (Registrierungspflichtig)


Quellen:
www.checkbiotech.org

www.derstandard.at

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